2.15 Die Ammoniaksynthese (Haber-Bosch-Verfahren)
I. Herstellung
3 H₂ (g) + N₂ (g) ⇌ 2 NH₃ (g) ΔfH°m = -46 KJ/mol
ΔH°R = -92 KJ
Erklärung: Molare-Standard-Bildungsenthalpie: ΔfH°m
° = Standardbedingungen: 25°C (298 K) und 1,013 bar (1013 hPa)
f = formation, Bildung
Das MWG für die Ammoniaksynthese:
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Es handelt sich um eine exotherme und unter Volumenverminderung ablaufende Gleichgewichtsreaktion.
II. Günstige Bedingungen für die Ammoniaksynthese
- niedrige Temperatur
- hoher Druck
- Konzentrationsabhängigkeit
zu a) Temperaturabhängigkeit des Ammoniak-GG
Bei Zimmertemp. ist die Ammoniakausbeute fast 100 %, die Reaktionsgeschwindigkeit ist jedoch zu klein.
Problem: hohe Aktivierungsenergie: Spaltung von 1 mol N₂ benötigt 964 KJ)
Lösung: Katalysator: wirken bei dieser Reaktion erst ab ca. 400°C (Kat: fein verteiltes Eisen, K₂O und Al₂O₃)
Kompromiss: Eine genügende Reaktionsgeschwindigkeit findet man bei 500°C; die Ammoniakausbeute (500°C, 1 bar): 0,1 Vol.-%
zu b) Druckabhängigkeit des Ammoniak-GG
3 H₂ (g) + N₂ (g) ⇌ 2 NH₃ (g)
3 RT 1 RT 2 RT
Durch Steigerung des Drucks auf ca. 200 bar (Material !!) steigert man bei 500°C die Ausbeute auf 17,5 Vol.-%.
zu c) Konzentrationsabhängigkeit des Ammoniak-GG
3 H₂ (g) + N₂ (g) ⇌ 2 NH₃ (g)
↓ ↓ ↓
Bei Entzug von Ammoniak (z.B. verflüssigen und abziehen aus dem geschlossenen System) wird das GG nach rechts verschoben.
III. Bedingungen für technische Ammoniaksynthese
Die gewählten Reaktionsbedingungen stellen einen Kompromiss zwischen Temp, Druck, Konzentration, der Reaktionsgeschwindigkeit, den technischen Problemen und den Kosten dar.
p: 200-400 bar; Temp.: 500-600°C mit Katalysatoren; laufendes entfernen des Ammoniak.
IV. Gewinnung der Ausgangsstoffe
a) Wasserstoff wird überwiegend aus Erdgas (Methan) und Wasser gewonnen.
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b) Im zweiten Reaktion setzt man überschüssiges Methan mit Luft um. (Hinweis: bei Produkten müsste 5 H2 stehen; ein Dank an L.K. für die Korrektur).
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Kohlenstoffmonoxid CO ist ein Katalysatorgift und muss deshalb in CO₂ überführt werden.
V. Verwendung von Ammoniak
- Zur Herstellung von Düngemittel (ca. 80 %)
- Vorprodukten von Kunststoffe
- Pflanzenschutzmittel
- Sprengstoffe
- Salpetersäure (HNO₃)
- Arzneimittel
2.14 Berechnungen zum Massenwirkungsgesetz
Berechnungen zum Massenwirkungsgesetz können nach folgender Schrittfolge durchgeführt werden:
- Aufstellung der Reaktionsgleichung
- Angeben der Stoffemengenkonzentrationen (Partialdrücke) der Reaktionspartner vor dem Reaktionsbeginn (Start)
- Ermitteln der Stoffmengenkonzentrationen (Partialdrücke) der Reakionsteilnehmer im chemischen Gleichgewicht.
- Aufstellen der Gleichung des Massenwirkungsgesetzes (MWG).
- Einsetzen der Stoffmengenkonzentrationen (Partialdrücke) in die Gleichung des Massenwirkungsgesetzes.
- Berechnung der unbekannten Größe.
Hinweis: Bei chemischen Gleichgewichten mit gleicher Summe der Stöchiometriezahlen der Ausgangsstoffe (Edukte) und der Reaktionsprodukte (Produkte) können anstelle der Stoffmengenkonzentrationen die ihnen proportionalen Stoffmengen eingesetzt werden.
Stoffemengenkonzentration: Quotient aus der Stoffmenge n(B) des gelösten Stoffes B und dem Volumen der Lösung (=Gesamtvolumen nach dem Mischen bzw. lösen).

- M(B): Molare Masse des gelösten Stoffes B;
- m(B): Masse des gelösten Stoffes B;
- n(B): Stoffmenge des gelösten Stoffes B
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2.14.1 Berechnung der Gleichgewichtskonzentration
Aufgabe:
Wie viel mol Ester erhält man im GG, wenn man von 6 mol Ethanol und 2 mol Essigsäure (Ethansäure) ausgeht? Angenommen, die GG-Konstante Kc betrüge 4.
Ansatz und Lösung:
Zuerst das Reaktionsschema erstellen;
{slider title="Ansatz und Lösung" open="false" class="icon"}
Ausgangsstoffmenge: 2 mol + 6 mol ⇌ 0 mol + 0 mol
GG-Stoffmenge: (2mol – x) + (6mol – x) ⇌ x mol + x mol
{/sliders}
Das MWG aufstellen und die Werte einsetzen:
{slider title="Ansatz und Lösung" open="false" class="icon"}
Es ist nur der Wert für x1 = 1,806 mol Ester möglich.
{/sliders}
Im GG-Zustand liegen 1,806 mol Ester vor.
2.14.2 Berechnung der Gleichgewichtskonstanten
Aufgabe:
Setzt man 1 mol Ethanol mit 0,5 mol Essigsäure um, so erhält man im GG-Zustand 0,42 mol Essigsäuremethylester. Berechne die GG-Konstante KC.
Ansatz und Lösung:
Zuerst das Reaktionsschema erstellen;
{slider title="Ansatz und Lösung" open="false" class="icon"}

Ausgangsstoffmenge: 0,5 mol + 1 mol ⇌ 0 mol + 0 mol
GG-Stoffmenge: (0,5 mol – 0,42 mol) + (1 mol – 0,42 mol) ⇌ 0,42 mol + 0,42 mol
Das MWG aufstellen und die Werte einsetzen:
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{/sliders}
Ergebnis:
Die GG-Konstante Kc beträgt 3,8.
2.13.2 Ermittlung der GG-Konstanten Kc aus den gemessenen Konzentrationen
Bsp.: Estergleichgewicht (Ausgang: gleiche Konzentrationen von Alkohol und Carbonsäuren; vgl. Heftaufschrieb).
S A E W
Im GG: 1/3 mol 1/3 mol 2/3 mol 2/3 mol
Berechne Kc und bestimme, wo das Gleichgewicht liegt (links oder rechts):
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

Das Estergleichgewicht liegt auf der rechten Seite.
{/sliders}
Merke:
Die Gleichgewichtskonstante KC ändert sich nur bei Temperaturänderung, jedoch nicht bei Konzentrationsänderung.
2.13.3 Änderung einer Gleichgewichtskonzentration eines Stoffes
1. Beispiel (Kc=1)
Bei der Reaktion A + B <=> C + D liegen alle beteiligten Stoffe mit der Konzentration c = 10 mol/L vor. Bei einer einmaligen Änderung wird 10 mol vom Stoff A dazugegeben. Berechne die neu eingestellten Konzentrationen.
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Ergebnis: im neu eingestellten GG: A 18 mol; B 8 mol; C 12 mol; D 12 mol
Überprüfung:
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{/sliders}
2. Beispiel (Kc=1)
Bei der Reaktion A + B <=> C liegen die Edukte jeweils mit 3 mol/l vor.
- Berechne die Konzentration von Stoff C
- als einmalige Änderung wird 3 mol vom Stoff A zugegeben. Berechne die neu eingestellten Konzentrationen
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Ergebnis: im neu eingestellten GG: A 5 mol; B 2 mol; C 10 mol
{/sliders}
3. Beispiel
A + B <=> C
c(A) = 4 mol; c(B) = 4 mol; c(C) = 16 mol
- Berechne Kc
- als einmalige Änderung sollen 8 mol vom Stoff C entfernt werden. Berechne die neu eingestellten Konzentrationen.
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Ergebnis: im neu eingestellten GG: A 3 mol; B 3 mol; C 9 mol
Überprüfung![]()
{/sliders}
2.12 Massenwirkungsgesetz (MWG)
(von Guldberg, Waage (1864))
Die quantitative Abhängigkeit des Gleichgewichts von der Konzentration. (Druck, Temperatur = konstant; homogenes System)
Herleitung: allgemeine Reaktion
A + B ⇌ C + D Δ H ≤ 0
für die Hinreaktionsgeschwindigkeit gilt:
c: Konzentration [mol/Liter]
vHin ∝ c(A) · c(B)
vHin = k1 · c(A) · c(B)
Den Proportionalitätsfaktor k1 bezeichnet man als Geschwindigkeitskonstante der betreffenden Reaktion. Diese Geschwindigkeitskonstante ist von der Temperatur abhängig.
für die Rückreaktionsgeschwindigkeit gilt:
vRück ∝ c(C) · c(D)
vRück = k2 · c(C) · c(D)
Im Gleichgewichtszustand ist die Geschwindigkeit der Hinreaktion gleich der Rückreaktion.
also im GG: vHin = vRück
eingesetzt: k1 · c(A) · c(B) = k2 · c(C) · c(D)
Das Verhältnis k1/k2 ist eine neue Konstante K.
Massenwirkungsgesetz (zunächst in einfacher Form für das oben genannte Beispiel):

Man schreibt die Reaktionsgleichung i.d.R. so, dass die exotherme Richtung nach rechts verläuft, und stellt die Produkte in den Zähler des MWG.
Das MWG in Worten: Das Produkt der Konzentrationen der entstehenden Stoffe (Endstoffe) dividiert durch das Produkt der Konzentrationen der Ausgangsstoffe besitzt im Gleichgewicht-Zustand einen konstanten Wert K (Gleichgewichtskonstante).
Allerdings ist das Massenwirkungsgesetz nur für dieses Beispiel ( A + B ⇌ C + D) gültig. Wie sieht das MWG aber für eine Reaktion wie 3A + 2B ⇌ C + 5D aus? Dazu zunächst ein Beispiel:
c) Jodwasserstoffgleichgewicht
H2 + I2 ⇌ 2 HI
vHin = k1 • c(H₂) • c(I₂)
vRück = k2 • c(HI) • c(HI) = k2 • c2(HI)

d) Für alle homogene Gleichgewichtsreaktionen kann man das MWG anwenden, auch wenn die Reaktionsgeschwindigkeiten der Hin- und Rückreaktion nicht in so einfacher Weise von den Konzentrationen der Reaktionspartner abhängen wie beim Jodwasserstoffgleichgewicht.
Allgemeine Reaktion:
a A + b B ⇌ c C + d D ΔH < 0
Im Gleichgewichtszustand hat der folgende Quotient bei einer bestimmten Temperatur einen konstanten Wert (Gleichgewichtskonstante Kc).

2.13.1 Fallunterscheidung (Lage eines Gleichgewichts)
K > 1: Zähler größer als Nenner; Endstoffe (Produkte) überwiegen; das GG liegt rechts.
K < 1: Zähler kleiner als Nenner; Ausgangsstoffe (Edukte) überwiegen; das GG liegt links.
K = 1: Zähler gleich Nenner; Produkt der Konzentrationen von Ausgangsstoffen und Endstoffen ist gleich; das GG liegt in der Mitte.



