3.3 Zersetzungsspannung
Die Mindestspannung, bei der die Zersetzung des Elektrolyten beginnt, nennt man Zersetzungspannung.
vgl. AB
3.4 Überspannung
vgl. AB:
Bei der Elektrolyse läuft ein Gesamtvorgang ab, welcher die kleinste Zersetzungsspannung erfordert.
Die Differenz zwischen dem experimentell bestimmten und dem theoretisch zu erwartenden Abscheidungspotential bezeichnet man als Überspannung.
a) von der Art des Elektrodenmaterials;
b) von er Oberflächenbeschaffenheit des Elektrodenmaterials;
c) Art und Konzentration der abzuscheidenden Ionen
d) Stromdichte (= Stromstärke I dividiert durch Elektrodenoberfläche)
Überspannungen sind groß bei Elektrodenreaktionen, die zur Abscheidung von Gasen (H₂, O₂ und Cl₂) führen. Überspannungen sind klein bei Elektrodenreaktionen, die zur Abscheidung von Metallen führen.
Beispiel: Betrachte folgendes Diagramm und gebe dann an, welche Stoffe
a) theoretisch ohne Berücksichtigung der Überspannung abgeschieden werden müsste und wie hoch deren Zersetzungsspannung sein müsste?
b) welche Stoffe sich im Experiment tatsächlich abscheiden und wie hoch deren Abscheidungspotentil ist.
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a) Abscheidung von Wasserstoff und Sauerstoff bei 1,23 V
b) Abscheidung von Zink und Chlor bei 2,37 V
{/sliders}
Abscheidungspotential
Berücksichtigt neben Elektrodenpotentiale noch die Überspannungsanteile (U*).
Es laufen diejenigen Reaktionen ab, die die kleinste Zersetzungsspannung erfordern:
Kathode: Stoff mit dem größten (positiveren) Abscheidungspotential reduziert (z.B. wird eher Fe²⁺ zu Fe reduziert (-0,41 V) als Li⁺ zu Li (-3,02 V).
Anode: Stoff mit dem kleinsten (negativeren) Abscheidungspotential wird oxidiert (z.B. wird eher Cu zu Cu²⁺ ( + 0,77 V) oxidiert als Au zu Au³⁺ ( + 1,42 V).
3 Elektrolyse
3.1 Elektrolyse einer Zinkbromid-Lösung (oder Zinkiodid)
Beobachtung:
an der Kathode (--Pol) bildet sich Bart aus Zink
an der Anode bilden sich gelbe Schlieren.
Auswertung:
Formuliert hierfür die Oxidation, die Reduktion und die Gesamtreaktion:
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Anode (+ Pol): 2 Br¹⁻ → Br₂ + 2 e⁻ [Hier werden Elektronen "entzogen"]
Kathode (- Pol): Zn²⁺ + 2 e⁻ → Zn [Hier werden Elektronen "reingepumpt"]
Gesamt: ZnBr₂ → Zn²⁺ + 2 Br¹⁻ → Zn + Br₂
{/sliders}
Zur Herstellung der Elemente aus dem Salz muss Energie aufgewendet werden; die Reaktion wird erzwungen.
Zusammenfassung: Bei der Elektrolyse einer Zinkbromid-Lösung entsteht Zink und Brom. Die Vorgänge bei der Elektrolyse laufen nicht freiwillig ab. Es sind erzwungene Redox-Reaktionen
(ΔH > 0; ΔH positiv)
Mann kann nach der Unterbrechung der Elektrolyse eine Spannung zwischen den Elektroden fest-stellen; verbindet man die Elektroden, so kann man einen Elektromotor betreiben.
Durch die Elektrolyse ist eine galvanische Zelle (galvanische Kette) entstanden:
Formuliere das Zellendiagramm der galvanischen Zelle:
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Donatorhalbzelle Zn / Zn²⁺ //½ Br₂[C] / Br¹⁻ Akzeptorhalbzelle
{/sliders}
In der galvanischen Zelle laufen folgende Halbzellenreaktionen ab:
Oxidation: Anode (-Pol): Zn → Zn²⁺ + 2 e⁻
Reduktion: Kathode (+Pol): Br₂ + 2 e⁻ → 2 Br¹⁻
Galv. Zellenreaktion: Zn + Br₂ → Zn²⁺ + 2 Br¹⁻
Die Zellenreaktion (Redoxreaktion) läuft spontan (freiwillig) ab.
Die Elektrolysereaktion ist somit die Umkehrung der in der galvanischen Zelle freiwillig ablaufenden Zellenreaktion.
Gegenüberstellung Galvanische Zelle – Elektrolyse
| Kathode | Anode | |
| angezogene Ionen | Kationen | Anionen |
| Richtung des Elektronenflusses | in die Zelle | aus der Zelle |
| Halbreaktionen | Reduktion | Oxidation |
| Pole: | ||
| bei Elektrolyse (Ladevorgang) | - | + |
| bei galvanischer Zelle (Entladung) | + | - |
| Galvanische Zelle | Elektrolyse | |
| Ablaufende Vorgänge |
Redoxreaktion ist Ursache einer elektrischen Spannung |
Redoxreaktion wird durch Anlegung einer elektrischen Spannung erzwungen |
| Minuspol | An der Anode: Oxidation | Kathode: Reduktion |
| Pluspol | Kathode: Reduktion | Anode: Oxidation |
| Spannung | Differenz der Elektrodenpotentiale | Differenz der Abscheidungspotentiale |
3.2 Elektrolyse einer Kupfer(II)-chloridlösung
a) Versuchsaufbau:
Die Gleichstromquelle wirkt wie eine Elektronenpumpe: Sie saugt Elektronen von der Anode (Plus-Pol) ab und drückt sie in die Kathode (Minus-Pol).
b) Beobachtung (Gleichstromquelle eingeschaltet):
am Plus-Pol (Anode) entsteht ein stechend riechendes, grüngelbes Gas;
am Minus-Pol (Kathode) entsteht ein rot-brauner Feststoff.
c) Auswertung
Die beweglichen Cu²⁺-Ionen werden vom Minus-Pol und die beweglichen Cl⁻-Ionen werden vom Plus-Pol angezogen.
Formuliert die Vorgänge an den Graphit-Elektroden:
{slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
Kathodenreaktion (Reduktion): Cu²⁺ + 2 e⁻ → Cu
Anodenreaktion (Oxidation) 2 Cl⁻ → Cl₂ + 2 e⁻
Teilchengleichung: Cu²⁺ + 2 Cl¹⁻ → Cu + Cl₂
{/sliders}
2.7 Nernst-Gleichung
Nur für den vierstündigen Kurs von Bedeutung:
Gleichgewicht und freie Reaktionsenthalpie
Es gilt: aA + eE ⇌ xX + zZ
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R = Universelle oder molare Gaskonstante, R = 8,31447 J/(mol ∙ K)
T = absolute Temperatur (= Temperatur in Kelvin)
a = Aktivität (= effektive Konzentration ohne Berücksichtigung von Wechselwirkungen)
a (Reinsubstanz im Standardzustand) = 1
ai = fi ∙ ci
Im Gleichgewichtszustand ist ΔG = 0
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∆G° = -R ∙ T ∙ ln K
Und aus der EMK ∆G° = - n ∙ F ∙ ΔE
Gleichsetzen ∆G° = - n ∙ F ∙ ΔE = - R ∙ T ∙ ln K
Umrechnen von natürlicher auf dekadischer Logarithmen:
∆G° = - n ∙ F ∙ ΔE = - 2,303 ∙ R ∙ T ∙ log K
Auflösen nach EMK ![]()
Zahlenwerte einsetzen für 25°C (T = 298,15 K)
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⇨ Ermöglicht z.B. das Berechnen von ΔG oder K.
Konzentrationsabhängigkeit des Potentials:
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∆G = ∆G° + R ∙ T ∙ ln K
-n ∙ F ∙ ∆E = -n ∙ F ∙ ∆E° + R ∙ T ∙ ln K
Umrechnen in dek. Log.,
R = 8,13145 j/(mol ∙ K),
F = 96485 C/mol,
T = 298,15 K
Nernst-Gleichung: bei 25 °C
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Häufig auch für Halbreaktionen
Vorzeichenproblem: negatives Vorzeichen gilt, wenn in der Halbreaktionsgleichung die reduzierte Spezies auf der rechten Seite steht.
Man findet aber die Gleichung auch häufig in Form des Kehrwertes von Q (1/Q) ⇨ positives Vorzeichen.
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Beispiel: Halbreaktion: 2 H⁺ + 2 e- ⇌ H₂
H⁺ ⇨ oxidierte Form
H₂ ⇨ reduzierte Form
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2.6 Konzentrationszelle
Experiment:

Kombiniert man zwei gleichartige Halbzellen, bei denen nur die Konzentrationen der Elektrolytlösungen verschieden sind, zu einem galvanischen Element, so besteht allein aufgrund dieses Konzentrationsunterschiedes eine Spannung zwischen den Halbelementen.
Silberkonzentrationszelle:
Ag / Ag¹⁺(c = 0,01 mol/L) // Ag¹⁺(c = 0,1 mol/L) / Ag

Die Halbzelle mit der geringer konzentrierten Elektrolytlösung ist die Donatorhalbzelle (Minuspol). Das lässt sich nur so erklären, dass bis zur Einstellung des elektrochemischen Gleichgewichts in der Halbzelle mit dem stärker verdünnten Elektrolyten mehr Ionen aus dem Metall in die flüssige Phase übertreten sind als in der anderen Halbzelle.
Werden beide Halbzelle leitend verbunden, so werden in der Donatorhalbzelle Ag-Atome oxidiert und in der Akzeptorhalbzelle Ag¹⁺-Ionen als festes Ag abgeschieden.
Wichtig: Der Stromfluss endet, wenn beiden Halbzellen gleiche Konzentrationen entstanden sind.


