Gleichgewichtsreaktionen

  • 02 Gleichgewichte

    2 Gleichgewichte

    2.1 Schwefelsäure – Wasserdampf – Gleichgewicht

    a) konzentrierte Schwefelsäure (H2SO4)

    • enthält Schwefelsäuremoleküle
    • zeichnet einmal die Strukturformel(n) (unter Berücksichtigung, dass die Edelgas-Regel erfüllt sein muss):

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

     04 ta strukturformel schwefelsaeure

     

     

    {/sliders} 

    • Konzentrierte Schwefelsäure ist geruchlos;
    • Siedetemperatur beträgt 300°C;
    • Konzentrierte Schwefelsäure reagiert heftig mit Wasser und Ionenbildung (Protolyse-Reaktion)

    Formuliert für die Reaktion der Schwefelsäure mit Wasser in zwei Stufen die Reaktionsgleichung in Summenformeln

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    H2SO4  + H2O → HSO4- + H3O+
    HSO4-  + H2O  → SO42- +  H3O+

    {/sliders} 


    b) Verdünnte Schwefelsäure
    Verdünnte Schwefelsäure enthält folgende Ionen und Moleküle; nennt diese: 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    • H3O+  (Oxonium-Ion; früher Hydronium-Ion oder „Hydroxonium-Ion“)
    • HSO4-  (Hydrogensulft-Ion)
    • SO42-  (Sulfat-Ion; wenig)
    • H2O  Enthält viele Wassermoleküle

    {/sliders} 


    2.2 Langzeitversuch: Konzentrierte Schwefelsäure

    Versuchsdurchführung: In einen Zylinder 1 werden 100 ml konzentrierte Schwefelsäure gegeben. In einen Zylinder 2 werden zunächst 900 ml Wasser und dann vorsichtig 100 ml konzentrierte Schwefelsäure gegeben. Beide Zylinder werden mehrere Jahre offen im gleichen Zimmer stehengelassen.

    04 ta langzeitversuch schwefelsaeure

     

    Versucht eine Deutung dieses Versuches:

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    • Zylinder 1 nimmt mehr H2O -Moleküle aus der Umgebung auf als er abgibt.

    • Zylinder 2 gibt mehr H2O -Moleküle an die Umgebung ab, als er aufnimmt.

    • Nach einigen Jahren hat sich ein Gleichgewichtszustand eingestellt: Pro Zeiteinheit werden nun gleich viel H2O-Moleküle an die Umgebung abgegeben wie H2O-Moleküle in die Lösung hinzukommen.

    {/sliders} 

  • 2.10 Verschiebung des Gleichgewichts

    2.10 Verschiebung des Gleichgewichts

    Die Lage des GG ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Hinreaktion und Rückreaktion. Das GG verschiebt sich, wenn beide Reaktionen verschieden stark geändert werden.

    Das ist häufig der Fall bei einer Änderung von

    1. Konzentration (Konzentration = Stoffmenge/Volumen)
    2. Temperatur
    3. Druck

    2.10.1 Änderung der Konzentration und Temperatur

    α) einmaliger Zusatz von Stoff D
    Es erfolgen mehr Rückreaktionen (Wichtig, das über das Kollisionsmodell zu verstehen: durch mehr Teilchen wird häufiger ein Zusammenstoß zwischen C und D erfolgen); dadurch stellt sich ein neues Gleichgewicht ein. Man sagt: „Das GG wird nach links verschoben.“

    Roter Pfeil: Zugabe von dem Stoff D -> Stoff D kollidiert häufiger mit C und reagieren miteinander. Dadurch werden es etwas weniger Stoffe C und D (blaue Pfeile auf der Produktseite); gleichzeit entstehen etwas mehr Stoffe A und B. Bitte immer dran denken, bei einem Gleichgewicht gibt es immer alle Stoffe; hier also gibt es gleichzeitig A, B, C und D!. Man kann sich das relativ schnell veranschaulichen, wenn man bei einer Reaktionsgleichung die Pfeile reinschreibt. 

    08 ta aenderung der konzentrationen 


    β) einmalige Wegnahme von Stoff D

    Jetzt seid ihr dran. Wie ändert sich das GG, wenn man einmalig den Stoff D wegnimmt. Macht eine analoge Reaktionsgleichung mit Pfeilen wie oben. 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    Es erfolgen mehr Hinreaktionen; dadurch stellt sich ein neues Gleichgewicht ein. Man sagt: „Das GG wird nach rechts verschoben.“

    08 ta aenderung der konzentrationen - wegnahme

    {/sliders}

    γ) dauernde Wegnahme von Stoff D (z.B. als Gas)

    Wie ändert sich bei dauerhaften Wegnahme das GG, wenn der Stoff D, der entsteht, permanent aus dem System verdampft? 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    In einem offenen System kann sich kein Gleichgewicht einstellen; Die Reaktion läuft vollständig ab.

    08 ta aenderung der konzentrationen - offen

    {/sliders}

    Eisenrhodanit-Gleichgewicht

    Vergleich dazu Arbeitsblatt zum Experiment. 

    Vereinfachte Reaktionsgleichung:

    11-ta-eisenrhodanid-gleichgewicht

     

    a) Das 1. RG bleibt unverändert und dient zum Vergleich!

    b) Ein Spatellöffel NH4Cl (Ammoniumchlorid) wird in das Reagenzglas 2 gegeben.
    Beobachtung: Die Lösung wird heller.

    Wie kann man das mit Hilfe des Verschiebung des Gleichgewichts deuten? 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
    Deutung: Das GG wird nach links verschoben

    {/sliders}

    c) Ein Spatelspitze FeCl3 (Eisenchlorid) wird in das Reagenzglas 3 gegeben.

    Nenne die mögliche Beobachtung und Deutung: 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
    Beobachtung: Die Lösung wird dunkelrot.
    Deutung: Das GG wird nach rechts verschoben.

    {/sliders}

    d) Ein Spatellöffel NH4 SCN (Ammoniumrhodanid = Ammoniumthiocyanat) wird in das Reagenzglas 4 gegeben.

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
    Beobachtung: Die Lösung wird dunkelrot.
    Deutung: Das GG wird nach rechts verschoben

    {/sliders}

    Ergebnis: Konzentrationserhöhung eines Reaktionspartners begünstigt die Reaktion, die diesen Stoff verbraucht.

    e) Reagenzglas 5 wird in heißes Wasser gestellt.

    Beobachtung: Die Lösung wird heller

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    Deutung: Das GG wird nach links verschoben

    {/sliders}

    f) Reagenzglas 6 wird in Eiswasser gestellt

    Überlegt, was jetzt die Beobachtung sein könnte: 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}
    Beobachtung: Die Lösung wird dunkler.
    Deutung: Das GG wird nach rechts verschoben

    {/sliders}

    Ergebnis:
    • Temperaturerhöhung begünstigt die endotherme Reaktion;
    • Temperaturerniedrigung begünstigt die exotherme Reaktion.

    FeCl3 + 3 NH4SCN   ⇌   Fe(SCN)3 + 3 NH4Cl           ΔH<0


    b) weitere Beispiele

    H2O (l)  ⇌  H2O  (g)       ΔH=+41 kJ
    flüssig     gasförmig

    Temperaturerhöhung --> mehr Wasser verdampft.  

     

    2.10.2 Änderung des Drucks

    a) Chlorethandampf - Chlorethanflüssigkeit (Kältespray); genau: Monochlorethan

    C2H5Cl (g) ⇌ C2H5Cl  (l)

    α) Bei Druckerhöhung bilden sich im Kolbenprober Chlorethantröpfchen:

     02 ta aggregatzustaende und experimente chlorethan b

    β) Bei Druckerniedrigung verschwinden diese Chlorethantröpfchen wieder.

      02 ta aggregatzustaende und experimente chlorethan a

    γ) Ergebnis:
    • Druckerhöhung begünstigt die Reaktion mit Volumenabnahme.

     

    b) weitere Beispiele

    H₂O (s) ⇌ H₂O (l)
    Fest (solid) flüssig (liquid)

    Druckerhöhung verschiebt das Gleichgewicht nach rechts, Wasser wird flüssig.  

    Grund: flüssiges Wasser hat eine größere Dichte (kleineres Volumen) als Eis (Eis schwimmt).

  • 2.3 Modellexperiment - Stechheberversuch

    2.3 Modellexperiment - Stechheberversuch

    Vergleiche dazu auch das ausgeteilte Arbeitsblatt zum Experiment. 

    04 stechheberversuch

    Versuch 1: Flüssigkeit gelangt von A nach B. Die reversible Reaktion setzt mit der „Hinreaktion“ ein. 
    Anschließend gelangt auch Flüssigkeit von B zurück nach A. Es findet also auch eine „Rückreaktion“ statt. Nach einiger Zeit sind die in den Rohren im gleichen Takt beförderten Flüssigkeitsportionen gleich groß geworden.

     

    Wie könnten die Endzustände bei den Experimenten 1 und 2 ausschauen? 

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    Versuch 1 und 2 führen zum gleichen Ergebnis („Gleichgewichtszustand“)

     04 ab stechheberversuch   loesung   lehrer

    {/sliders}

     Was für ein Diagramm bekommt man, wenn man das Volumen in den Standzylindern gegen die Zeit aufträgt? Und wie sieht das Diagramm aus, wenn man das Volumen innerhalb der Pipetten/Glasrohre gegen die Zeit aufträgt? 

     {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    05 ab stechheberversuch   diagramm

     {/sliders}

  • 2.4 Merkmale eines chemischen Gleichgewichts

    2.4 Merkmale eines chemischen Gleichgewichts

    Wichtig:

    1. Im abgeschlossenen System stellt sich ein Gleichgewicht von beiden Seiten her ein.
    2. Im Gleichgewicht (Endzustand) erfolgen gleich viel Hin- wie Rückreaktionen pro Zeiteinheit.
    3. Im Gleichgewicht liegen meist nicht gleich viel Anfangs- wie Endstoffe vor.

     

    Wiederholung: System-Begriff

      Offenes System Geschlossenes System  Abgeschlossenes System
    (= isoliertes System 
    Austausch von....  + Energie
    + Teilchen
     + Energie  --
     Kein Austausch von....    - Teilchen - Energie
    - Teilchen
         
    • Gesamtenergie ist konstant
    • i.d.R. idealisiertes System
    idealisierte  Beispiele  "Kochtopf"
    Mensch
     "Dampfkochtopf"
    Reagenzglas mit Stopfen
     "Thermoskanne"
    Universum
  • 2.5 Estergleichgewicht

    Was du auf dieser Seite lernst

    Du lernst, wie Carbonsäuren und Alkohole in einer Kondensationsreaktion zu Estern und Wasser reagieren. Am Beispiel des Estergleichgewichts (Essigsäure + Ethanol) wird deutlich, dass sowohl Hin- als auch Rückreaktion zum gleichen Endzustand führen – ein klassisches Beispiel für ein chemisches Gleichgewicht.

    Grundlagen aus der 10. Klasse

    Die Grundlagen zu Carbonsäuren und Alkoholen hast du bereits in der 10. Klasse kennengelernt:
    → Essigsäure / Ethansäure (Kl. 10) · → Alkohole / Alkanole (Kl. 10)

    2.5 Estergleichgewicht

    Allgemeine Reaktion

    Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser

    Wer sich an die 10. Klasse erinnern kann, kann ja mal versuchen, die Reaktionsgleichung für Ethansäure und Ethanol zu formulieren.

    Tipp 1: Es handelt sich um eine Kondensationsreaktion – zwei Moleküle verbinden sich unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (hier: Wasser).

    Tipp 2: Es reagieren meist die funktionellen Gruppen miteinander und selten die Alkylgruppen.

    Allgemeine Reaktionsgleichung (Summenformeln)

    R–COOH  +  R'–OH  ⇌  R–COO–R'  +  H2O

    Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser  |  Katalysator: H+ (z. B. konz. H2SO4)

    Lösung: Reaktionsgleichung Ethansäure + Ethanol

    Strukturformelgleichung: Ethansäure (Essigsäure) reagiert mit Ethanol zu Ethansäureethylester (Essigsäureethylester) und Wasser – Kondensationsreaktion

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    Reaktionsgleichung in Summenformeln

    CH3COOH  +  C2H5OH  ⇌  CH3COOC2H5  +  H2O

    Ethansäure (Essigsäure) + Ethanol ⇌ Ethansäureethylester (Essigsäureethylester) + Wasser

    Geruch der Edukte: stechend (Essigsäure) – Geruch des Esters: Klebstoff
    → Kondensationsreaktion!

    Strukturformelgleichung Vergrößerung: Ethansäure + Ethanol ergibt Ethansäureethylester + Wasser (Kondensationsreaktion)

    Mechanismus der Veresterung (säurekatalysiert)

    Der Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung verläuft in vier reversiblen Teilschritten. Der Katalysator (H+) wird am Ende wieder freigesetzt:

    Reaktionsmechanismus der Esterbildung: 4 Schritte – Protonierung der Carbonsäure, Bildung des Carbokations, Angriff des Alkohols (Oxoniumion), Wasserabspaltung und Protonenabgabe

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    Die 4 Teilschritte in Kurzform

    1. Protonierung der Carbonylfunktion der Carbonsäure → Carbokation
    2. Nukleophiler Angriff des Alkohols (freies Elektronenpaar) → Oxoniumion
    3. Protonenumlagerung → Wasserabspaltung → erneutes Carbokation
    4. Protonenabspaltung (H+ wird regeneriert) → Carbonsäureester

    Alle Teilschritte sind reversibel (⇌). Der H+-Katalysator beschleunigt die Reaktion, verschiebt aber das Gleichgewicht nicht.

    Reaktionsmechanismus der Esterbildung vergrößert: alle 4 Teilschritte mit Zwischenprodukten Carbokation und Oxoniumion

    Das Estergleichgewicht – Nachweis durch zwei Versuchsansätze

    Versuchsansatz 1 (Hinreaktion): Man gibt 1 mol Carbonsäure und 1 mol Alkohol zusammen.
    Versuchsansatz 2 (Rückreaktion): Man gibt 1 mol Ester und 1 mol Wasser zusammen.

    Tipp: Was erwartest du?

    Schau dir nochmals die Merkmale eines chemischen Gleichgewichts an. Ein echtes Gleichgewicht wird vom gleichen Endzustand aus erreicht – egal von welcher Seite man startet.

    Lösung: Ergebnis des Experiments

    Ergebnis: Man erhält in beiden Fällen denselben Endzustand.

    Estergleichgewicht: Diagramm zeigt, dass Versuchsansatz 1 (1 mol S + 1 mol A) und Versuchsansatz 2 (1 mol E + 1 mol W) zum gleichen Endzustand führen: je 1/3 mol S, 1/3 mol A, 2/3 mol E, 2/3 mol W

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    Reaktionsgleichung und Mengenverhältnisse im Gleichgewicht

    CH3COOH  +  C2H5OH  ⇌  CH3COOC2H5  +  H2O

    Zeitpunkt n(CH3COOH) n(C2H5OH) n(Ester) n(H2O)
    Anfang 1 (Hinreaktion) 1 mol 1 mol 0 mol 0 mol
    Gleichgewicht ⅓ mol ⅓ mol ⅔ mol ⅔ mol
    Anfang 2 (Rückreaktion) 0 mol 0 mol 1 mol 1 mol
    Estergleichgewicht Diagramm vergrößert: Reaktionsgefäße zeigen gleichen Endzustand aus Hinreaktion und Rückreaktion

    Quantitativer Nachweis: Titration der Carbonsäure

    Man kann in beiden Versuchsansätzen die vorhandene Carbonsäuremenge durch quantitative Reaktion mit Natronlauge (Titration) messen.

    Reaktionsgleichung der Titration (Summenformeln)

    CH3COOH  +  NaOH  →  CH3COONa  +  H2O

    Essigsäure reagiert vollständig und quantitativ mit NaOH. Mit 0,1 M NaOH und dem Verbrauch kann die Säuremenge berechnet werden: n(CH3COOH) = c(NaOH) · V(NaOH)

    Titrationsapparatur: Bürette mit 0,1 M NaOH, Erlenmeyerkolben mit 2 ml Gemisch aus Flasche 1 (oder 2), 150 ml kaltem Wasser und 4 Tropfen Phenolphthalein als Indikator

    ↑ Zum Vergrößern klicken

    Titrationsapparatur vergrößert: Bürette 0,1 M NaOH, Erlenmeyerkolben mit Essigsäure-Gemisch, Phenolphthalein, Magnetrührer

    Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen

    KONDENSATIONSREAKTION

    Bei der Veresterung verbinden sich Carbonsäure und Alkohol unter Abspaltung von Wasser – typische Kondensationsreaktion.

    MECHANISMUS

    4 reversible Schritte: Protonierung → Carbokation → Oxoniumion → Wasserabspaltung → Ester. H+ ist Katalysator.

    GLEICHGEWICHT

    Hin- und Rückreaktion erreichen denselben Endzustand: ⅔ mol Ester + ⅔ mol Wasser (aus je 1 mol Edukt).

    TITRATION

    Der Gleichgewichtszustand lässt sich quantitativ nachweisen: Die Carbonsäuremenge wird durch Titration mit NaOH bestimmt.

    Häufige Fragen – Estergleichgewicht

    Was ist eine Kondensationsreaktion und warum ist die Veresterung eine solche?

    Bei einer Kondensationsreaktion verbinden sich zwei Moleküle unter Abspaltung eines kleinen Moleküls – hier Wasser. Bei der Veresterung reagiert die Carboxylgruppe (–COOH) der Carbonsäure mit der Hydroxylgruppe (–OH) des Alkohols: Beide funktionellen Gruppen treten miteinander in Wechselwirkung, und als Nebenprodukt entsteht ein Wassermolekül. Mehr zur Carboxylgruppe findest du auf der Seite Funktionelle Gruppe der Monocarbonsäuren (Kl. 10).

    Wie läuft der Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung ab?

    Der Mechanismus verläuft in vier reversiblen Schritten: (1) Ein Proton (H+) lagert sich an das Carbonyl-Sauerstoffatom der Carbonsäure – es entsteht ein Carbokation. (2) Ein freies Elektronenpaar des Alkohols greift das Carbokation an – es bildet sich ein Oxoniumkation. (3) Nach einer Protonenumlagerung wird Wasser abgespalten und erneut ein Carbokation gebildet. (4) Durch Protonenabspaltung entsteht der fertige Ester, und H+ wird regeneriert.

    Warum führen Hin- und Rückreaktion zum gleichen Endzustand?

    Weil es sich um ein echtes chemisches Gleichgewicht handelt. Das Gleichgewicht wird dynamisch erreicht: Hin- und Rückreaktion laufen gleichzeitig ab, bis ihre Geschwindigkeiten gleich groß sind. Egal ob man mit 1 mol Carbonsäure + 1 mol Alkohol (Hinreaktion) oder mit 1 mol Ester + 1 mol Wasser (Rückreaktion) startet – der Endzustand ist identisch: ca. ⅔ mol Ester und ⅔ mol Wasser liegen neben ⅓ mol Carbonsäure und ⅓ mol Alkohol vor. Mehr zu den Merkmalen eines Gleichgewichts: Merkmale eines chemischen Gleichgewichts.

    Wie kann man das Estergleichgewicht zugunsten des Esters verschieben?

    Nach dem Prinzip von Le Chatelier kann das Gleichgewicht verschoben werden, indem man:
    • einen der Reaktionspartner im Überschuss einsetzt (z. B. mehr Alkohol),
    • ein Produkt laufend entzieht (z. B. Wasser durch Destillation oder mit einem Trockenmittel entfernt).
    Hinweis: Ein Katalysator (konz. H2SO4) beschleunigt lediglich die Gleichgewichtseinstellung – er verschiebt das Gleichgewicht nicht.
    Mehr dazu: Prinzip von Le Chatelier.

    Wie wird das Estergleichgewicht experimentell nachgewiesen?

    Man misst quantitativ die verbliebene Carbonsäuremenge durch Titration mit Natronlauge (NaOH) und dem Indikator Phenolphthalein. Aus dem NaOH-Verbrauch lässt sich n(Carbonsäure) berechnen: n = c(NaOH) · V(NaOH). Beim Gleichgewichtsansatz verbraucht man nur noch ⅓ des ursprünglichen NaOH-Verbrauchs, was zeigt, dass ⅔ der Essigsäure abreagiert haben. Mehr zur Säure-Base-Titration: Säure-Base-Titration (Kursstufe).

    Lernkarten – Estergleichgewicht

    Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.

    1

    Was ist eine Kondensationsreaktion? Nenne ein Beispiel.

    Zwei Moleküle verbinden sich unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (z. B. H2O). Beispiel: Veresterung – Carbonsäure + Alkohol → Ester + Wasser.

    2

    Welche Zwischenstufen entstehen im Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung?

    1. Carbokation (nach Protonierung der Carbonsäure)
    2. Oxoniumkation (nach Angriff des Alkohols)
    3. erneutes Carbokation (nach Wasserabspaltung)
    → Ester + H+ (regeneriert)

    3

    Was beweist das Estergleichgewicht-Experiment mit zwei Ansätzen?

    Beide Ansätze (1 mol S + 1 mol A bzw. 1 mol E + 1 mol W) führen zum gleichen Endzustand – Beweis für ein echtes dynamisches Gleichgewicht.

    4

    Nenne zwei Maßnahmen, um das Estergleichgewicht auf die Esterseite zu verschieben.

    1. Überschuss eines Reaktionspartners (z. B. mehr Alkohol)
    2. Entzug eines Produkts (z. B. Wasser abdestillieren oder binden)
    → Prinzip von Le Chatelier
    Nicht geeignet: Katalysator – beschleunigt nur, verschiebt nicht.

    5

    Beim GG-Ansatz (1 mol CH3COOH + 1 mol C2H5OH) verbraucht die Titration von 2 ml Probe 3 ml NaOH (0,1 M). Wie viel mol Essigsäure sind noch vorhanden, wenn der Gesamtansatz 50 ml beträgt?

    n(NaOH) pro 2 ml Probe = 0,003 l · 0,1 mol/l = 3·10−4 mol
    → Hochrechnung auf 50 ml: n(CH3COOH) = 3·10−4 · 25 = 7,5·10−3 mol ≈ ⅓ der Ausgangsmenge (erwartet: ⅓ mol)

    Weiter im Kapitel Gleichgewichtsreaktionen

    ← Merkmale eines chemischen Gleichgewichts → Schreibweise und Kollisionsmodell

    🔁 Grundlagen aus Klasse 10: Essigsäure / Ethansäure (Kl. 10) · Alkohole / Alkanole (Kl. 10) · Funktionelle Gruppe der Monocarbonsäuren (Kl. 10)

    ⬇️ Weiter im Kapitel: Prinzip von Le Chatelier · Massenwirkungsgesetz · Ammoniaksynthese

  • 2.6 Schreibweise und 2.7 Kollisionsmodell

    2.6 Schreib- und Sprechweise bei Gleichgewichtsreaktionen

    Man sagt: „Das GG liegt rechts“

    Um zu zeigen, dass das Gleichgewicht rechts liegt, gibt es mehrere Möglichkeiten:

    • Man kann die Produkte "größer" Schreiben (wird so gut wie nie benutzt);
    • Man kann den Pfeil nach rechts dicker machen; 
    • Man kann den Pfeil nach rechts länger zeichen. 

    05-ta-estergleichgewicht--schreibweise

     

    2.7 Estergleichgewicht und Kollisionsmodell

    Problem: Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

    2.7.1 WH: Kollisionsmodell

    {slider title="Wiederholung" open="false" class="icon"}

    Damit Teilchen miteinander reagieren können, müssen sie zusammenstoßen. 
    a) Erklärung: Konzentrationsabhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit:

     04 kollisionsmodell-zusammenstoss

     

    Reaktionsgeschwindigkeit bei Stoffen zweier Phasen (Aggregatzustände):

    • Können nur an der Phasengrenze miteinander reagieren
    • Je größer die Oberfläche (je stärker der Zerteilungsgrad), desto höher die Reaktionsgeschwindigkeit ⇨ Anzünden eines Feuers

              ⇨ Biologie: Oberflächenvergrößerung/-verkleinerung

    b) Mindestgeschwindigkeit der Teilchen = Temperaturabhängigkeit

    • nicht jeder Zusammenstoß führt zur Reaktion
    • Reaktion setzt eine Mindestenergie und die richtige Orientierung der Teilchen zueinander voraus.

    höhere Temperatur => höhere mittlere Geschwindigkeit der Teilchen
    Mindestgeschwindigkeit vA ist nötig

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung bei 3 Temperaturen:

    vgl. Heftaufschrieb. 

    Je höher die Temp, desto mehr Teilchen überschreiten eine gegebene Temp. vA.

    RGT-Regel (Reaktions-Geschwindigkeit-Temperaturregel):
    Bei vielen Reaktionen bewirkt eine Temperaturerhöhung um 10°C eine 2-4 fache Beschleunigung der Reaktionsgeschwindigkeit.

    Zusammenfassung: 3 Faktoren die die Reaktionsgeschwindigkeit beeinflussen:

    1. Konzentration
    2. Temperatur
    3. Sterische Faktoren (v.a. bei großen Molekülen)

    Info: Arrhenius-Gleichung beschreibt die quantitative Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeitskonstante k von der Temperatur

     04 arrhenius-gleichung

    k = Geschwindigkeitskonstante
    A = sterischer Faktor (Produkt aus der Stoßzahl Z und dem Orientierungsfaktor P)
    EA = Aktivierungsenergie
    R = 8,314 J/(K mol); Avogadro-Konstante (NA) und Boltzmann-Konstante (kB) R = NA ∙ kB
    T = absolute (thermodynamische) Temperatur (Einheit: K).
    e = Konstante = eulersche Zahl = 2,72
    ⇨T groß ⇨ k groß ⇨ v groß
    ⇨EA klein ⇨k groß ⇨v groß

    {/sliders}

    Zurück zum Problem:  Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

    Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

               S        +             A                       ⇌                  E     +         W

    Weniger Stöße, jedoch größere Erfolgchancen: Teilchen sind reaktionsfreudig   VieleStöße, jedoch geringere Erfolgschancen Teilchen sind reaktionsträge

     

    Merke: Wenige reaktionsfreudige Teilchen können vielen reaktionsträgen Teilchen das Gleichgewicht halten.

    2.7.2 Reaktionsgeschwindigkeit und Katalysatoren

    a) homogene Katalyse: Edukte und Kat. sind in der gleichen Phase (z.B. Lsg)

    • Bildung von Zwischenstufen ⇨ EA ↓ ⇨ vmin ↓

    09-ta-wh-reaktionsgeschwindigkeit-und-katalysator

    b) heterogene Katalyse: Edukte u. Kat bilden 2 verschiedene Phasen


    Edukte werden an Kat.-Oberfläche adsorbiert
    ⇨ Schwächung der Bdg.
    ⇨ günstige Räumliche Orientierung
    ⇨ Erhöhung der Konzentration
    (Bsp. H₂ an Pt-Oberfläche)
    Vermutung: Elektronenüberschuss oder –mangel an Oberfläche.

    c) Autokatalyse: Katalysator entsteht erst durch den Reaktionsablauf ⇨ Reaktion erst langsam ⇨ dann immer schneller (vgl. Abb. S. 80)

    d) Biokatalyse: Enzyme (Proteine, Eiweiße) beschleunigen sehr selektiv Reaktionen ⇨ Bilden Enzym-Substrat-Komplex ⇨ Rkt findet bei Körpertemperatur statt. Substratspezifisch und Wirkungsspezifisch; 

     

     

     

  • 2.9 Säure-Base-Reaktion mit Benzoesäure

    2.8 Allgemeines Zahlenbeispiel

      A + B C    +   D
    Vorher  1000          1000              0            0     
    Nachher 1000 - X     1000 - X         X
    z.B. in GG      800   800   200   200

     

    2.9 Säure-Basereaktionen mit Benzoesäure

    07 ab benzoesaeuregleichgewicht

     

    a) Benzoesäure + Wasser

    Man gibt festes Benzoesäure in Wasser. Dabei beobachtet man, dass die Benzoesäure als weiße Substanz oben auf dem Wasser schwimmt. Auch mit Schütteln löst sie sich nichtauf. 

    Frage: Warum löst sich Benzoesäure nicht in Wasser? Dafür muss man sich einmal Benzoesäure anschauen (Hinweis: Benzoesäure ist noch vereinfacht "falsch" geschrieben, da wir die Aromaten erst später genauer betrachten). 

    08 ta benzoesaeure nur so

    Erklärt, warum Benzoesäure nur schlecht in Wasser löslich ist!

    {slider title="Lösung" open="false" class="icon"}

    Bei Benzoesäure ist ein großer Teil unpolar. Der polare Teil ist kleiner. Es kann zwar mit Wasser H-Brücken ausbilden, aber der große Rest sorgt bisher für eine schlechte Löslichkeit. 

    08 ta benzoesaeure nur so polar

    Hinweis: Ähnliches löst sich in ähnlichem. 

    {/sliders}

    Zusammenfassung Beobachtung: wenig löslich in Wasser; die Lösung reagiert schwach sauer.

    Formuliert die Reaktionsgleichung für die Reaktion von Benozesäure mit Wasser mit binden und nichtbindenen Elektronenpaaren (Hinweis; Benzoesäure ist jetzt schon etwas vereinfacht geschrieben indem die H-Atome am Ring weggelassen wurden. 

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      08 ta benzoesaeure und wasser

    Es findet nur eine schwache Reaktion mit H2O statt. Es reagieren nur wenige Benzoesäuremoleküle. Das Gleichgewicht liegt rechts. 

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    b) Benzoesäure + Natronlauge (Neutralisation)

    Man gibt vorsichtig Natronlauge zu und schüttelt die Lösung bis 
    Beobachtung: Es entsteht eine klare Lösung. 

    Formuliert hierfür auch wieder eine Reaktionsgleichung mit bindenden und nichtbindenden Elektronenpaaren. 

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    08 ta benzoesaeure und natronlauge

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    Die Benzoesäuremoleküle reagieren praktisch vollständig.

    c) gelöstes Natriumbenzoat + verd. Salzsäure
    Die klare Lösung wird trübe. Weißes, pulverartige Substanz schwimmt wieder auf der Oberfläche. 

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    08 ta natriumbenzoat und salzsaeure

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    Feste Benzoesäure scheidet sich ab; die Benzoanionen reagieren praktisch vollständig.